Steigerwald.T Silvester-Challenge

Steigerwald.T Silvester-Challenge

Die Steigerwald.T Silvester-Challenge
Seit nun fast vier Wochen machen Menschen in der Gegenwart ihrer Pferde lustige, seltsame und gruselige Geräusche. Dabei ziehen sie oft ungläubiges Kopfschütteln oder gar Kritik auf sich. Ich möchte hier noch einmal näher erläutern, was es mit dieser Challenge auf sich hat.
In der Lerntheorie beschreibt man das Phänomen der Generalisierung damit, dass bedingte Reflexe und Verhalten nicht nur auf den ursprünglichen, die Reaktion auslösenden Reiz entstehen, sondern auch durch Auslöser, die diesem ähnlich sind. Umgangssprachlich können wir es auch Verallgemeinerung nennen. Der Pawlowsche Hund beginnt z.B. auch zu speicheln, wenn der Ton der Glocke einen anderen Frequenzbereich aufweist.
Um unsere Tiere auf Silvester vorzubereiten, können wir also mit vielerlei Geräuschen, Gerüchen und visuellen Reizen arbeiten, damit sie an dem kritischen Abend -in manchen Gegenden schon Tage vorher- beim Feuerwerk entspannter bleiben. Wenn Pferde Stress haben, wenn es böllert und wir nicht wochenlag zu Trainingszwecken Raketen zünden wollen, hilft uns und ihnen die Generalisierung bei der Bewältigung dieser Aufgabe.
Kuhglocken, Hundegekläff, Werkzeuge aller Art (Föhn, Akkuschrauber, Flex, Schweißgerät, Kompressor, Kreissäge, Stichsäge, Mixer, Pürierstab, Bohrhammer, etc.), Verbrennungsmaschinen (Auto, Trecker, Radlader, Bobcat, Hoflader, Mofa, Motorrad, Erntefahrzeuge), die menschliche Stimme oder Instrumente sind mögliche akustische Reize, die wir im Training einsetzen können.
Optische Reize wirken im Dunkeln stärker auf Fluchttiere als im Hellen und auch der Faktor Geruch/Rauch ist ein Element, dem wir uns schrittweise im Training annähern können.

Praktisch angewandt kann es dann folgendermaßen aussehen: „Behavior is driven by its consequences“- Verhalten wird über seine Konsequenzen gesteuert. Verhält sich mein Tier ruhig bei der Präsentation des entsprechenden Reizes, ist die Konsequenz dieses Verhaltens etwas Angenehmes. Reiz – stehen bleiben – Click+Futter. So verknüpft es den eigentlich aversiven Reiz mit einer leckeren Angelegenheit. Wie kommen wir aber dorthin, dass dieser Reiz mit Stillstehen beantwortet wird? Indem wir uns von einer Wohlfühldistanz aus immer näher herantasten. Ein quietschender Luftballon direkt neben den Ohren wird bei vielen Pferden zum Weggehen oder gar -laufen führen, in fünf Metern Entfernung hingegen noch gut aushaltbar sein. Quietsch-steh-click-Futter-einen Schritt näher- quietsch-steh-click-Futter-einen Schritt näher- quietsch-steh-click-Futter-einen Schritt näher-usw. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem mein Pferd den Kopf stark hochnimmt, die Augen sehr weitet oder schnaubt. An dieser Position wiederhole ich den Reiz, bis mein Pferd wieder ein ruhiges Verhalten zeigen kann. Im Idealfall fängt es beim Wahrnehmen des Geräusches schon an zu brummeln und teilt uns dadurch mit, dass der Reiz so positiv verknüpft ist, dass er freudige Erwartung auslöst.
Distanz, Reizintensität, Richtung und Vorhersehbarkeit sind die Schlüssel, mit denen wir Zugang zum Pferd bekommen und es dort abholen, wo es noch recht entspannt sein kann. Das ist wichtig, weil wir nur so die Ruhe verstärken können, die wir schlussendlich Silvester brauchen. Findet also den richtigen Reiz, um euer Pferd abzuholen und verstärkt jede erwünschte Reaktion auf Geräusch, Geflatter oder Leuchten.
Nicht umsonst ist in der Psychotherapie die Verhaltenstherapie ein gerne und häufig genutztes Mittel, um Phobien zu bearbeiten. Manch ein Pferd hat vielleicht keine „echte“ Phobie, aber ich sehe es als meine Aufgabe an, auch den Kandidaten, die „nur“ mit aufgerissenen Augen herumlaufen und sich nicht an ihr Heu wagen, einen entspannteren Jahreswechsel zu bescheren.
In unserer Facebook-Gruppe „Horse-Agility und Clickertraining“ findet ihr viele kreative Beispiele der Teilnehmerinnen der Challenge. Natürlich bin ich auch mit Wolfgang dabei, der inzwischen deutlich entspannter ist.
Am Dienstag, den 17.12. bekommt Ihr um 19 Uhr in einem kostenlosen Webinar einen ausführlichen Überblick über die Trainingswege und auftretende Besonderheiten.

Unter diesem Link könnt ihr euch anmelden: Anmeldung zum Webinar

Marengos Trainingscamp: Der Heimweg

Marengos Heimweg

Der krönende Abschluss seiner 7 Wochen hier auf Hof Steigerwald sollte in Form einer Wanderung stattfinden. Ein guter Plan, aber wenn beide Beteiligten terminlich sehr eingespannt sind, auch ehrgeizig. Marengos Besitzerin Nadine und ich hatten 4 Tage zum Wandern zur Verfügung, laut der allwissenden modernen Technik 106km. Da die Pferde bei uns auf dem Trail täglich über 10km zurücklegen und auch Schotter, Kieselsteine, Beton, und Sand dabei sind, wollten wir schauen, wie weit wir tatsächlich kommen. Für Wolfgang war es die erste Wandertour mit Fremd-Übernachtung, für Marengo immerhin schon die zweite.

Es war ein sommerlich heißer Tag und ausgerechnet in der Mittagshitze hatten wir ein langes Wegstück ohne Schatten. Was für eine Wohltat, dann endlich im Wald zu sein! Da aber die nächste Herausforderung: Schotter! Um über Bäche zu kommen, waren wir auf die Hauptachsen angewiesen und drückten uns also im schrägen, ca. 50cm unter dem Niveau des Weges liegenden Seitenraum herum. Dass die Bäche übrigens aktuell keine mehr sind, sieht man gut an Jupiters Pfoten. Unterwegs dann immer wieder Äpfel, Birnen, Zwetschen am Wegesrand; ich mag das Gefühl, so gut versorgt zu sein! Etwas zu früh für die Jahreszeit konnten wir auch mehrfach den Bereich Nerventraining in puncto Ladewagen und Maishäcksler erfolgreich abhaken. Eine tolle Ankunft bescherten uns Ralf und Monika Meyer vom Hof Coldewey 2 bei Sulingen, die uns wie schon auf der Hintour herzlich aufnahmen.

Am nächsten Morgen bestiegen die Ponys noch Ralfs selbstgebaute Pferdewaage. Wolfgang darf noch 20-30kg abwerfen. Marengo hat in der Zeit bei uns ca.80kg abgenommen! Weiter durchs Moor- Schotter. Hitze. Auch schöne Natur-Ecken. Brombeeren. Ein wunderbarer Platz für die Mittagsrast. Nebenstrecken mit viel Verkehr, weil die Bundesstraße gesperrt ist und alle die Schleichwege benutzen. Endlich wieder Gras unter den Hufen und während einer Pause die Entscheidung, nur noch ein kleines Stück zu laufen. Nach der inzwischen schon fast obligatorischen Begegnung mit Mais-Ladewagen die Belohnung mit für norddeutsche Verhältnisse atemberaubender Aussicht und Heidelandschaft. Dann endlich dank Marcel das Equipment für ein improvisiertes Nachtlager. Ich kann jedem und jeder nur ans Herz legen, sich das Erlebnis einer Nacht unter dem Sternenhimmel mit dem Hintergrundgeräusch von kauenden Pferden und zirpenden Grillen zu gönnen. Das fällt in die Kategorie „Chicken soup for the soul.“

Nach dem Luxus frischen Kaffees frischauf weiter. Neu gekaufte Karte, Weg weggepflügt, Alternative gefunden, Schotter, schöne Landschaft, Schotter. Dann endlich wieder ein Waldstück, ein ganz alter Weg, zauberhafte Stimmung, Grün und Stille. Vorbei an Häusern, Überlegungen anstellen, wo man -wäre es nicht hellichter Tag- um Nachtlager bitten könnte. Am Rande des Moores last Order Schattenplatz: Mittagspause. Während wir immer wieder auf den Raupenbagger in 500m Entfernung schauten und überlegten, wie schnell er bei uns wäre und wie schnell wir die Ponys in den angerenzenden Seitenweg bringen könnten, nahte von der Seite eine ganz andere Herausforderung, aber wir waren schnell genug, um unsere mit großen Augen guckenden Ponys auf der Stelle festzufüttern, während die Torfloren vorbeiratterten.

Dann das schönste Stück der Strecke. Natur pur, Sandboden unter den Füßen und Hufen… Als uns die Zivilisation wieder hatte, begann es tatsächlich zu regnen. Nach einem kleinen Päuschen ging es dann noch ein Stück weiter, wo unsere wunderbaren Männer uns mit den Gespannen abholten und in die jeweiligen Heimatorte brachten. Ich bin soooo froh, dass wir uns auf den Weg gemacht haben! Das Schöne an dieser Geschichte ist: Hätte Marengo nicht ein kleines Verladethema, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, quasi direkt nach meinem Tag der offenen Tür und vor dem Seminar mit Bob Bailey nächste Woche ein paar Tage freizunehmen.

Wolfgang und Jupiter sind mir in diesen drei Tagen noch mehr ans Herz gewachsen. So viel Intensität gibt ein Alltagsleben für das einzelne Tier nicht her. Deswegen: Lasst uns immer darauf schauen, was Gutes wonach kommen kann!

Anhängertraining à la Steigerwald

In meinem Alltag als Pferdetrainerin werde ich immer wieder mit dem traurigen Thema „Verladen“ konfrontiert. Viele Pferde haben so sehr „den Kaffee auf“, dass nichts mehr geht. Die Gründe hierfür liegen bei genauerem Hinsehen klar auf der Hand. Schauen wir uns im Rahmen der behavioristischen Lerntheorie die Konsequenzen an, die das Pferd nach dem -sowieso schon!- gruseligen Betreten von eng, klappernd und etwas dunkel kennengelernt hat:

Ruckeln, Bremsen, Anfahren, Schlaglöcher, Kurven, LKW von hinten, Martinshörner, Motorräder, Abgase….dabei als Fluchttier die ganze Zeit nicht richtig gucken können. Und was ist am Zielort? Fremde Pferde, Turnierstimmung, gestresster Mensch oder gar eine Operation?

Da sagt sich so manches Pferd: „Wenn die Konsequenz von Anhänger betreten, am Po berührt werden, Klacken, Schaben und einer Klappe von hinten ist, dass mir eine halbe Stunde lang so ein Stress widerfährt, dann mache ich das nicht.“ Wenn man dann zu den Menschen gehört, die sich entschieden haben, im Umgang mit seinem Partner Pferd auf Bedrohen, Schagen und Strafen (so natürlich dies im Umgang von Pferden untereinander sein mag) zu verzichten, ist guter Rat teuer. Oder man fährt einfach nicht mehr.

Wenn da nicht das Gruselszenario von der lebensrettenden Behandlung in der Klinik wäre oder man tolle Fortbildungen besuchen möchte…

Nach Viviane Theby gibt es 1000 Wege, ein Verhalten zu trainieren. 500 davon sind tierschutzrelevant, die anderen 500 können wir uns ansehen. Ein sehr charmanter Weg ist der, den Anhänger so zu verändern, dass das Pferd gerne und vor allem auch prompt hinauf geht. Dann können wir in vielen Wiederholungen unser Anhänger-Konto auffüllen. Jede Fahrt zu „normalen Zwecken“ ist nämlich ein Abheben vom Guthaben.

Letztes Wochenende haben ich mir, dank Nadine Dopians, die uns ihren Anhänger überließ, einen lang gehegten Traum erfüllen können und den zweigeteilten Anhänger am Tag der offenen Tür vorgestellt. Mein großartiger Mann trennte das Dach ab und versah es mit Stützen und Bockwinden. So kann man einzeln die Komponenten trainieren und schnell zum Zielverhalten kommen.

Nerventraining

Nerven-Vorbereitung für die Messe

Natürlich können wir keine Messehalle-Situation trainieren. Wir können aber akustischen und optischen Stress in geschlossenen Räumen trainieren, immer in dem Bereich, in dem das Pferd noch voll konzentrationsfähig ist. Dann verändern wir immer wieder sowohl den Stress als auch den Ort. Und so helfen wir unseren Ponys, mit fremden Situationen besser und enspannter umzugehen. Vor allem, wenn der Fino-Strip direkt neben dam Horse-Agility Ring ist….Die Pferd und Jagd geht vom 8.-11. Dezember und wir freuen uns auf viele Besucher an unserem Stand in Halle 17!