Pferdewippen unter osteopathischen Gesichtspunkten

Pferdewippen meets Osteopatie

Gymnastizierung mit Turngeräten ist eine großartige Möglichkeit, seinem Pferd für Kopf und Körper etwas Gutes zu tun. Am Sonntag, den 4. November, findet auf Hof Steigerwald ein Seminar mit Antje Tjarks von PferdeReha Friesland www.horsefriendship.de statt.

Wir werden uns dem Training der unterschiedlichen Wipptechniken widmen. Denn wie in vielen Bereichen kommt es auf die korrekte Ausführung an. Um dem Bewegungsapparat der Pferde den größtmöglichen Nutzen zukommen zu lassen, müssen wir ein gutes Auge für die gewünschten Muskelaktivitäten entwickeln. Ebenso wichtig ist das praktische Wissen um die einzelnen Trainingsschritte, die Wahl der richtigen Futterpunkte sowie natürlich das exakte Timing.

Zeit: 11.00 -16.00 Uhr
Kosten: 60,-

Marengos Trainingscamp: Der Heimweg

Marengos Heimweg

Der krönende Abschluss seiner 7 Wochen hier auf Hof Steigerwald sollte in Form einer Wanderung stattfinden. Ein guter Plan, aber wenn beide Beteiligten terminlich sehr eingespannt sind, auch ehrgeizig. Marengos Besitzerin Nadine und ich hatten 4 Tage zum Wandern zur Verfügung, laut der allwissenden modernen Technik 106km. Da die Pferde bei uns auf dem Trail täglich über 10km zurücklegen und auch Schotter, Kieselsteine, Beton, und Sand dabei sind, wollten wir schauen, wie weit wir tatsächlich kommen. Für Wolfgang war es die erste Wandertour mit Fremd-Übernachtung, für Marengo immerhin schon die zweite.

Es war ein sommerlich heißer Tag und ausgerechnet in der Mittagshitze hatten wir ein langes Wegstück ohne Schatten. Was für eine Wohltat, dann endlich im Wald zu sein! Da aber die nächste Herausforderung: Schotter! Um über Bäche zu kommen, waren wir auf die Hauptachsen angewiesen und drückten uns also im schrägen, ca. 50cm unter dem Niveau des Weges liegenden Seitenraum herum. Dass die Bäche übrigens aktuell keine mehr sind, sieht man gut an Jupiters Pfoten. Unterwegs dann immer wieder Äpfel, Birnen, Zwetschen am Wegesrand; ich mag das Gefühl, so gut versorgt zu sein! Etwas zu früh für die Jahreszeit konnten wir auch mehrfach den Bereich Nerventraining in puncto Ladewagen und Maishäcksler erfolgreich abhaken. Eine tolle Ankunft bescherten uns Ralf und Monika Meyer vom Hof Coldewey 2 bei Sulingen, die uns wie schon auf der Hintour herzlich aufnahmen.

Am nächsten Morgen bestiegen die Ponys noch Ralfs selbstgebaute Pferdewaage. Wolfgang darf noch 20-30kg abwerfen. Marengo hat in der Zeit bei uns ca.80kg abgenommen! Weiter durchs Moor- Schotter. Hitze. Auch schöne Natur-Ecken. Brombeeren. Ein wunderbarer Platz für die Mittagsrast. Nebenstrecken mit viel Verkehr, weil die Bundesstraße gesperrt ist und alle die Schleichwege benutzen. Endlich wieder Gras unter den Hufen und während einer Pause die Entscheidung, nur noch ein kleines Stück zu laufen. Nach der inzwischen schon fast obligatorischen Begegnung mit Mais-Ladewagen die Belohnung mit für norddeutsche Verhältnisse atemberaubender Aussicht und Heidelandschaft. Dann endlich dank Marcel das Equipment für ein improvisiertes Nachtlager. Ich kann jedem und jeder nur ans Herz legen, sich das Erlebnis einer Nacht unter dem Sternenhimmel mit dem Hintergrundgeräusch von kauenden Pferden und zirpenden Grillen zu gönnen. Das fällt in die Kategorie „Chicken soup for the soul.“

Nach dem Luxus frischen Kaffees frischauf weiter. Neu gekaufte Karte, Weg weggepflügt, Alternative gefunden, Schotter, schöne Landschaft, Schotter. Dann endlich wieder ein Waldstück, ein ganz alter Weg, zauberhafte Stimmung, Grün und Stille. Vorbei an Häusern, Überlegungen anstellen, wo man -wäre es nicht hellichter Tag- um Nachtlager bitten könnte. Am Rande des Moores last Order Schattenplatz: Mittagspause. Während wir immer wieder auf den Raupenbagger in 500m Entfernung schauten und überlegten, wie schnell er bei uns wäre und wie schnell wir die Ponys in den angerenzenden Seitenweg bringen könnten, nahte von der Seite eine ganz andere Herausforderung, aber wir waren schnell genug, um unsere mit großen Augen guckenden Ponys auf der Stelle festzufüttern, während die Torfloren vorbeiratterten.

Dann das schönste Stück der Strecke. Natur pur, Sandboden unter den Füßen und Hufen… Als uns die Zivilisation wieder hatte, begann es tatsächlich zu regnen. Nach einem kleinen Päuschen ging es dann noch ein Stück weiter, wo unsere wunderbaren Männer uns mit den Gespannen abholten und in die jeweiligen Heimatorte brachten. Ich bin soooo froh, dass wir uns auf den Weg gemacht haben! Das Schöne an dieser Geschichte ist: Hätte Marengo nicht ein kleines Verladethema, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, quasi direkt nach meinem Tag der offenen Tür und vor dem Seminar mit Bob Bailey nächste Woche ein paar Tage freizunehmen.

Wolfgang und Jupiter sind mir in diesen drei Tagen noch mehr ans Herz gewachsen. So viel Intensität gibt ein Alltagsleben für das einzelne Tier nicht her. Deswegen: Lasst uns immer darauf schauen, was Gutes wonach kommen kann!

Heris Genesung durch Pferdewippen-Training

Wir stellen die Entwicklung und das Training des zweijährigen Isländers Heri in mehreren Videos vor. Hier die Infos zu seiner Reha-Geschichte:

Was tun nach Verletzung, OP oder Krankheit, wenn die körperlichen Funktionsfähigkeiten und gesunden Bewegungsabläufe wiederhergestellt werden müssen? Nicht nur bei uns Menschen, auch bei Pferden wird durch gezielte Physiotherapie an der vollständigen Genesung gearbeitet.
Wie wertvoll sich dieses Training auswirkt, habe ich mit dem zweijährigen Isländer „Heri“ erlebt.

Heri wird im Mai 2015 geboren und zieht sich als Saugfohlen im Alter von nur 4 Wochen eine schwerwiegende Weideverletzung zu. Die tiefen Verletzungen und das Narbengewebe am Röhrbein erlauben keine klare Diagnostik mit bildgebenden Verfahren. Monatelang schont er seine rechte Hintergliedmaße vollständig und steht auf drei Beinen im Stall.
Nachdem er im Alter von 7 Monaten auch noch eine Druse-Infektion durchstehen muss, wird ihm im März 2016 ein Hufschuh angepasst, damit er endlich beginnt, sein rechtes Hinterbein zu belasten. Um ihn 8 Wochen später unter Aufsicht in die ruhigere Stutengruppe integrieren zu können, wird er im Alter von 12 Monaten kastriert.

Zu diesem Zeitpunkt belastet Heri seine rechte Hinterhand zwar, aber sein Bewegungsablauf ist gestört. Seine motorischen Fähigkeiten sind durch sehr schwache Muskelkraft, mangelhafte Koordination sowie einen eingeschränkten Gleichgewichtssinn erschreckend schlecht. Deswegen kann Heri in seiner Herde nicht mithalten. Die folgenden 12 Monate verändert sich seine Situation trotz intensiver Bemühungen der Besitzer und Physiotherapeuten nicht. Mittlerweile ist er mental abwesend und wirkt, als habe er keine Lebensfreude mehr.

Da Heri als austherapiert gilt, fragen sich seine Besitzer Juliane Uhlig und Steffen Baumann vom Tempelhof sich im Frühjahr 2017, ob ein Leben ohne Leiden für ihn jemals möglich sein wird. Erstmals wird darüber nachgedacht, ob er erlöst werden muss.
Durch einen glücklichen Zufall kommen Juliane und ich in Kontakt.

Am 12. April 2017 zieht Heri zur 10-wöchigen, stationären Physiotherapie bei uns auf Hof Steigerwald ein. Mit der Zielsetzung Muskeln aufzubauen, seine Koordinationsfähigkeit zu schulen und seinen Gleichgewichtssinn zu fördern, beginne ich eine Bewegungstherapie mit ausgewählten Trainingsgeräten.
Für dieses Vorhaben nutze ich die von mir entwickelte „Ganzkörperwippe“ und die 3-Meter Wippe, den Drehteller sowie den Stepper. Später kommt das Training auf einem 8 cm schmalen Balancierbalken zur Schulung der Tiefensensibilität als weitere Herausforderung für Heri hinzu. Auch die nimmt er gerne an und meistert sie mit viel Freude.

Möglich ist das alles durch Training mit positiver Verstärkung, bei dem das Pferd sich Futter für seine Krankengymnastik verdienen kann. Mein einzigartiger Erfahrungsschatz bei der Anwendung der angewandten Verhaltensanalyse im Pferdebereich hilft dabei, für jedes Pferd den individuell optimalen Trainingsweg zu gehen.

Nach täglichen Physiotherapie -Einheiten von ca. 20 Minuten ist er Ende Juni 2017 nicht wiederzuerkennen: Im Laufe des Trainings haben sich alle seine Fähigkeiten zusehends entwickelt. Heri hat durch die erfolgreiche Bewegungstherapie zum einen körperlich aufgeholt und wird nun mit Gleichaltrigen mithalten können, zum anderen hat er durch sein neues Körperbewusstsein und das Vertrauen in die eigene Motorik an Lebensfreude und Lebenswillen hinzugewonnen.
In meiner eigenen, kleinen Pferdeherde auf Hof Steigerwald erlebe ich nun, dass er sich wie ein „ganz normaler“ Zweijähriger benimmt. Darum reiste Heri am 28. Juni zurück in seine Heimat, wo er endlich ein altersgemäßes Leben führen kann.

Fotos & Video: Nina Steigerwald

Videogestaltung: Regina Rickenbach